250.000 Aufrufe mit der ersten Folge, generiert auf einem brandneuen Kanal, der zum Start des Trailers null Abonnenten zählte. Das Reise-Entertainment-Format "Stamped" ist ein YouTube-Hit. Doch wer ist der Kopf, der dieses Projekt aus dem Nichts gestemmt hat? In Folge 35 des Kamera Aus Podcasts gab Anton Herrmann offene Einblicke in seinen Werdegang. Der 20-jährige Videograf und Produzent ist der beste Beweis dafür, dass man auf YouTube auch heute noch organisch durchstarten kann. Sofern die Qualität stimmt.
Das Mindset: Risikobereitschaft und "Earned Pressure"
Anton ist jemand, der die Dinge selbst in die Hand nimmt und an Disziplin als absolute Grundvoraussetzung für den Erfolg glaubt. Für "Stamped" ging er bewusst ins finanzielle Risiko: Rund 4.000 Euro aus eigenen Freelance-Gagen investierte er vorab, um Reisekosten zu decken und Freelancer fair zu bezahlen. Am Ende wurden die Ausgaben noch hoher. Außerdem hat er selbst über 300 Stunden in den Schnitt investiert.
Als der extrem intensive Schnitt ihn an seine Grenzen brachte, half ihm das Konzept des "Earned Pressure". Zusammengefasst geht es um Stress, den man sich im positivsten Sinne erarbeitet hat. Man muss es also Wertschätzen überhaupt in so einer priviligierten Position zu sein.
Die Wurzeln: Vom Kinderzimmer-Cutter zum Freelancer
Sein Handwerk hat sich Anton von der Pike auf selbst beigebracht. Bereits als Zwölfjähriger kämpfte er sich im heimischen Kinderzimmer durch die englische Benutzeroberfläche des Schnittprogramms DaVinci Resolve. Angefangen hat er mit unterschiedlichsten Parodien im Stil von Julien Bam. Die Videos von Damals wurden jedoch nie auf Social Media veröffentlicht. Noch während der Schulzeit wurde der Spaß zum Nebenjob. Noch in einem Schulpraktikum konnte er sich Equipment ausleihen und einen ersten Werbefilm produzieren. Dabei sind besonders absurde Situationen entstanden:
„Ich hatte erste, zweite Stunde Politikunterricht, dritte, vierte Stunde frei. [...] Bin dann mit meiner Vespa zum Unternehmen, hatte dann 60 Minuten Meeting und bin dann wieder in die Schule gefahren.“
Der Visionär: Ein Format aus einem persönlichen Bedürfnis
Anton hat irgendwann angefangen erste eigene YouTube Videos zu drehen. Dabei hat er sich mit Equipment auseinandergesetzt und seine Tipps und Tricks aus der Werbeproduktion geteilt. Die Idee zu "Stamped" entstand aus seinem Wunsch heraus, nicht mehr ständig fremdgesteuert um die Welt zu reisen, sondern ein eigenes, nachhaltiges Format zu etablieren. Seine Prämisse: Creator bekommen 100 Stunden Zeit, um durch Europa zu reisen. Das Erfolgsgeheimnis lag in Antons Entscheidung, die Teilnehmer im Vorfeld komplett im Dunkeln zu lassen. Die Erfahrung eine Produktion selbst zu organisieren hatte er bereits. Nun musste er sich jedoch auch um alle weiteren Gewerke kümmern, die für die Produktion entscheidend waren. Im Schnitt und bei der Suche Nach Sponsoren hat er schlussendlich
Community Management
Anton Herrmann versteht die YouTube-Landschaft als Ort der Gemeinschaft. Er ist fest davon überzeugt, dass in Zeiten von Künstlicher Intelligenz das Bedürfnis nach ungeschönten, echten Formaten wächst. Gleiches gilt auch in der direkten Interkation:
„Meine Hypothese [ist], [...] dass die Leute glücklich sind, wenn sie echte Sachen gucken und wenn nicht irgendein Bot ihnen antwortet [...]. Dass das Dokumentarische, das Echte, vor allem in dem Entertainment-Bereich [...] extrem wichtig ist.“
Sein Konzept ging auf: Statt flüchtigem Short-Form-Content hat er eine Serie geschaffen, die laut Rückmeldungen aus der Community mittlerweile Familien sonntagabends gemeinsam vor den Bildschirm holt. Das Feedback aus dem Kommentaren hat Anton auch in die Videos ein gebaut. So zeigt er, dass die Community einen hohen Stellenwert hat. So hat er nach der zweiten Folge die Animation der Karte auf Wunsch der Community angepasst, damit man Ländergrenzen besser erkennen kann.

