Was verdient man als kleiner Twitch Streamer?
Der Traum vom Full-Time-Creator ist präsent wie nie. Doch wie sieht die finanzielle Realität eigentlich aus, wenn man abseits der Millionen-Reichweiten startet? Mit einer Community von rund 750 Followern habe ich meine Einnahmen und Ausgaben lückenlos dokumentiert.
Der Aufwand: Mehr als nur "ein bisschen Streamen"
Um die Finanzen zu verstehen, muss man den Zeitaufwand kennen. Mein Jahr war in zwei Phasen unterteilt: Bis zur Mitte des Jahres habe ich zweimal pro Woche gestreamt, nach einer einmonatigen Pause reduzierte ich auf einen Stream pro Woche. Mit einzelnen Sonderstreams ergibt es 257,5 Streamstunden. Wichtig dabei: Das ist nur die Zeit, in der die Kamera lief – die Vorbereitung, der Videoschnitt für YouTube und die Pflege der Webseite sind hier noch gar nicht eingerechnet.
Die Einnahmen: Woher kommt das Geld?
Insgesamt konnte ich im Jahr 2025 Einnahmen in Höhe von 446,53 € erzielen. Diese setzen sich aus drei Säulen zusammen:
1. Twitch (Auszahlungen & Struktur)
Über das Jahr verteilt gab es drei Auszahlungen (Januar, April und August). Da sich Restbeträge aus dem Vorjahr und offene Budgets für 2026 in etwa ausgleichen, sind diese für die Gesamtbilanz zu vernachlässigen. Spannend ist jedoch die Verteilung:
57 % Paid Abos: Die direkte Unterstützung durch die Community.
40 % Prime Abos: Zuschauer nutzen ihr kostenloses Amazon-Abo.
3 % Werbeeinnahmen: Da meine kleine Community fast nur aus Abonnenten besteht, wird kaum Werbung ausgespielt.
2. Kooperationen (Der größte Hebel)
Die größte Einzelposition war eine Kooperation über 300 € für ein kurzes Video mit drei Hooks. Außerdem habe ich noch Paid-Nutzungsrechte verkauft. Hierbei ist die Brand direkt auf mich zugekommen. Das unterstreicht nochmal, wie wichtig es ist eine E-Mailadresse einfach erreichbar zur Verfügung zu stellen.
3. Affiliate-Marketing
Hier zeigt sich die harte Realität für kleine Accounts. Über Amazon Affiliate habe ich lediglich 1,26 € verdient. Da Amazon Verkäufe über "Freunde und Familie" nicht wertet, wurde ich schließlich aus dem Programm ausgeschlossen. Ohne eine große Grundreichweite lohnt sich dieser Weg kaum.
Der Stundenlohn-Check: Rechnet man nur die Twitch-Einnahmen gegen die Streamzeit, ergibt das einen Stundenlohn von 0,56 €. Bezieht man die Arbeit für YouTube, TikTok und die Webseite mit ein, sinkt dieser Wert noch einmal deutlich. Wir können also klar festhalten, dass jeder Nebenjob die effizientere Methode ist, um Geld zu verdienen.
Die Ausgaben: Investment in die Zukunft
Wer wachsen will, muss investieren. Meine Gesamtausgaben beliefen sich auf 558,57 €.
Software: Adobe Premiere für den Schnitt (293,30 €) und eine professionelle Steuersoftware für das Gewerbe.
Webseite: Mit 178,50 € ein reines Investment in meine Personenmarke und als Bonus gibt es etwas Auffindbarkeit.
Technik: Eine neue Investition in den Sound durch das DJI Mic Mini. (Etwa 75€)
Fazit: Warum ein Minus von 112,04 € ein Erfolg ist
Wenn man jetzt die Einnahmen und Ausgaben gegenrechnet kommt man schnell auf die Gesamtbilanz: -112,04 €. Ich zahle also effektiv drauf, um Content produzieren zu können. Dennoch ist mein Fazit ein klares „Ja“ zum Weitermachen:
Streaming ist für mich ein leidenschaftliches Hobby. Gleichzeitig sehe ich die Kosten als Investition in meine Zukunft. Als Social Media Manager hilft es mir die Routine vor der Kamera weiter auszubauen. Regelmäßig Inhalte zu produzieren, hält mich außerdem in der Routine.
Mein Rat ist daher: Startet nicht wegen des Geldes. Startet, weil ihr Spaß am Prozess habt und bereit seid, in eure eigene Entwicklung zu investieren.

